Bernhard Aichner | Totenfrau Bd. 1

Vor fünf Minuten war noch alles gut, vor fünf Minuten war da noch Leben. Jetzt ist da nur noch der Tod. Ganz nah, mit Wucht hat er alles umgerissen, es niedergewalzt. Blum weiß, dass es kein Zurück mehr gibt. Dass er sie nie wieder berühren wird, dass seine Finger schweigen werden, seine Hände, sein Mund. Sie weiß es. (Auszug Seite 45)

An einem ganz normalen Morgen wachen Blum und Mark auf. Frühstück mit den beiden Töchtern. Alles ist wie immer. Mark fährt mit seinem Motorrad aus der Auffahrt, auf dem Weg zur Arbeit. Plötzlich kommt ein Lieferwagen, scheinbar aus dem Nichts, und überfährt Mark. Der Fahrer flüchtet. Alle sind geschockt. Blum, die eigentlich Brünhilde heißt, ihren Vornamen aber hasst und deshalb nur beim Nachnamen genannt werden will, die beiden Töchter, der frühpensionierte Vater von Mark und Reza, der Gehilfe von Blum. Alle wohnen zusammen in der Jugendstilvilla in Innsbruck und geben sich gegenseitig Halt in dieser schweren Situation.

Eines Abends sitzt Blum mit einem Glas Wein in Marks Arbeitszimmer und findet sein Handy. Sie durchstöbert es und entdeckt Gesprächsaufzeichnungen von einer Unterhaltung mit einer Frau. Nach anfänglicher Befürchtung, dass Mark sie betrogen hat, findet sie heraus, dass die Frau Dunja heißt, illegal aus Moldawien geflüchtet ist und Schreckliches erfahren hat. Mark war dabei, dieses Verbrechen, das Dunja erleben musste, aufzuklären. Blum macht es sich zur Aufgabe, nach Dunja zu suchen und an Marks Stelle weiter zu ermitteln. Sie findet heraus, dass Dunja dieses Verbrechen von fünf Männern angetan wurde und dass diese Männer auch dafür verantwortlich sind, dass Mark sterben musste. Blum will Rache.

Totenfrau von Bernhard Aichner spielt in Österreich. Die Geschichte ist spannend geschildert. Blum ist Bestatterin und ihre Arbeit ist sehr detailliert geschildert, was ich interessant finde. Das Leben, die Trauer und Gefühle aller handelnden Personen nach Marks Tod sind recht lang beschrieben, aber authentisch und mitfühlend. Unglaubwürdig finde ich, dass Blum ihren eigenen Mann bestattet. Während Blum die fünf Männer ausfindig macht, wird das Familienleben nicht vergessen. Blum befindet sich in einem ständigen Spagat zwischen der Rache, die sie nehmen will und ihren beiden Kindern. Das wird aber nicht in Überforderung geschildert, sondern sympathisch. Außerdem trinkt Blum ziemlich viel Wein, was aber auch eher sympathisch und nachvollziehbar ist. Blum ist niemals betrunken.

Dadurch, dass Blum Bestatterin ist und sie das Institut von ihrem Vater übernommen hat, ist sie schon ihr ganzes Leben lang mit dem Tod und den Leichen in Berührung gekommen und geht bei der Suche und Konfrontation der fünf Männer entsprechend skrupellos vor. Außerdem bekommt man eine Ahnung davon, wie das perfekte Verbrechen aussehen kann.

Am Ende des Buches sind noch einige Fragen an den Autor gerichtet, die er beantwortet. Das finde ich nett. Dieses Buch ist der erste Teil einer Trilogie. Vorn im Buch steht, dass dazu eine sechsteilige Fernsehserie geplant ist. Der zweite Teil, Totenhaus, ist im August 2015 erschienen.

Bernhard Aichner wurde 1972 geboren und lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Er hat bis jetzt zehn Bücher veröffentlicht. Darunter nicht nur Thriller, sondern auch Romane und Erzählungen.

Ich finde das Buch toll und gebe 4 von 5 Punkten. Die beiden anderen Teile möchte ich auch lesen und auf die angekündigte Fernsehserie bin ich sehr gespannt.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

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Totenfrau | Die Taschenbuchausgabe erschien am 11. Mai 2015 bei btb
ISBN 978-3-442-74926-3
464 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographische Angaben &  Leseprobe

Weitersehen: Totenfrau-TV Folge 1 – Bernhard Aichner gibt Einblick in seine Arbeit

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2 Gedanken zu “Bernhard Aichner | Totenfrau Bd. 1

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