Bernhard Aichner | Die Schöne und der Tod

„Baroni hält einen Pappbecher und hört, was Max über Kattnig erzählt. Er trinkt und kaut. Baroni hat vorgeschlagen, sich mit einem feinen Frühstück zu belohnen für diese denkwürdige Nacht, aber Max hat abgelehnt. Baroni wollte in ein Wiener Kaffeehaus, nachdem sie aus der Notaufnahme gekommen waren, er wollte Sekt trinken mit Max, Rührei essen, Apfelstrudel. Aber Max weigerte sich, er wollte nichts Wienerisches, keinen unfreundlichen Kellner im schwarzen Anzug, keine Kuchenvitrinen, er bestand auf McDonald’s. In der Nähe des Krankenhauses stopfen sie Burger in sich hinein, Pommes, Cola.“ (Auszug Seite 192)

Max Broll sitzt mit seinem Freund Johann Baroni auf der Terrasse und trinkt Wein, als er einen Anruf von Emma Huber, seiner ersten großen Liebe, bekommt. Emmas Schwester Marga hat Selbstmord begangen. Sie ist vom Balkon gesprungen. Und Max soll sie begraben. Max ist der Totengräber in dem Dorf, in dem Marga zuletzt mit ihrem Mann August Horak gelebt hat. Nach der Beerdigung von Marga geht Max mit Emma zum Leichenschmaus und im Anschluss zusammen zu der Wohnung von Max. Mitten in der Nacht fällt ihm auf, dass seine Uhr fehlt. Die hat er vermutlich beim Grab ausheben verloren. Die Uhr hat ihm sein Vater vererbt, er hängt sehr daran. Und er möchte sie unbedingt zurückhaben. Also muss er das Grab erneut öffnen, um nach der Uhr zu suchen. Dabei entdeckt er, dass der Sarg beschädigt ist. Er wurde aufgebrochen. Und die Leiche fehlt. Wer stiehlt denn eine Leiche?

Tilda, die Freundin von Max verstorbenem Vater, ist die leitende Ermittlerin in diesem Fall. Max will aber nicht auf die Ermittlungsergebnisse der Polizei warten und startet mit Baroni eine eigene Zeugenbefragung. Zuerst wird der Ehemann befragt. Baroni verwickelt ihn bei einigen Schnäpsen erst in ein harmloses Gespräch und als alle drei etwas angetrunken sind, geht es um Marga. Als August dann wegen dem ganzen Alkohol schlafend auf dem Küchenboden liegt, durchsuchen sie sein Haus auf der Suche nach Margas Körper. Befragung und Hausdurchsuchung bringen aber keine Ergebnisse. Also in derselben Nacht noch zu Kattnig. Kattnig ist der Manager von Marga. Marga war Model. Das Geschäft hat sie aber kaputt gemacht. Sie litt an Magersucht und wollte sich vor einiger Zeit schon einmal umbringen. Da konnte sie aber gerettet werden. Nach einiger Zeit in Behandlung wollte sie wieder zurück ins Business und hat sich bei „Bauer sucht Frau“ beworben. In der Sendung hat sie auch ihren Ehemann kennengelernt. Er war damals noch Schweinebauer. Mit Kattnig war sie auch zusammen. Das ging dann aber auseinander. Kattnig litt sehr darunter und hat das zuletzt bei der Beerdigung deutlich betont. Also hat auch er ein Motiv. Kattnig begrüßt die beiden mit Rotwein in seiner Wohnung, aber auch die Befragung bringt keine Antwort. Dann bekommt August einen Erpresserbrief. Er soll 30.000 Euro zahlen. Außerdem wird in das Pfarrhaus eingebrochen und Geld sowie zwei Kronleuchter gestohlen. Tildas Ermittlungen sind auf Hochtouren.

Als Max an einem Morgen Brötchen zum Frühstück für sich und Emma holen geht, entdeckt er Dennis auf einer Parkbank. Steifgefroren, tot und mit einer Schnapsflasche neben sich. Dennis ist 16 Jahre alt und Gemeindearbeiter. Er hilft Max ab und zu beim Schaufeln der Gräber. Schon seit Tagen ist er nicht zur Arbeit erschienen und ging auch nicht ans Telefon. Was eindeutig nach einem Unfall durch zu viel Alkohol aussieht, wurde nur inszeniert. Dennis ist schon vor der vergangenen Nacht gestorben. Max und Baroni ermitteln jetzt noch eifriger. Sie fahren zu der Wohnung, von dessen Balkon Marga gesprungen ist und finden dort endlich Hinweise.

Max Broll wollte ursprünglich Journalist werden. Er hat in Wien studiert und dort auch Emma kennengelernt. Dann ist sein Vater schwer erkrankt und Max hat alles in Wien abgebrochen, auch den Kontakt zu Emma, und ist in sein Heimatdorf zurückgekehrt. Dort hat er dann den Job des Totengräbers von seinem Vater übernommen. Seitdem wohnt er im Friedhofswärterhaus zusammen mit Tilda. Der Kontaktabbruch zu Emma ist Max besonders schwer gefallen, er hat sehr lange gebraucht, bis er über sie hinweg gekommen ist. Jetzt ist sie wieder da und alle Gefühle mit ihr. Emma lebt mittlerweile als Designerin in London und ist verlobt. Trotzdem schläft sie mehrmals mit Max. Aber Max lässt sie immer wieder warten. Als Emma dann deshalb abreist, tröstet sich Broll mit Hanni. Mit ihr war er auch mal kurz zusammen, Max sagt aber selbst, dass es nicht passt mit den beiden. Hanni macht ihm trotzdem immer wieder schöne Augen.

Die Schöne und der Tod von Bernhard Aichner hat mir ganz gut gefallen, denn die Geschichte liest sich leicht. Der typische Schreibstil des Autors ist auch hier zu finden. Kurze, prägnante Sätze und manchmal ein stakkato artiger Stil. Mir fehlt jedoch etwas die Spannungskurve. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann, weil ich unbedingt wissen muss, wer der Täter ist. Dieser Krimi ist der erste Teil von vieren um Max Broll. Die restlichen drei Bücher werde ich wohl aus diesem Grund nicht lesen. In keinem Satz wird übrigens gesagt, in welchem Dorf die Geschichte spielt. Nur, dass es von dort 30 Minuten Fahrt sind bis nach Wien.

Bernhard Aichner wurde 1972 geboren und lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Internationale Erfolge feierte er mit der Totenfrau-Trilogie. Bereits zuvor machte er in seiner Heimat Österreich Furore mit seinen Krimis um den Totengräber Max Broll.

 

Rezension und Foto von Andrea Köster.

 

Die Schöne und der Tod

Die Schöne und der Tod | Erschienen am 11. April 2016 im btb Verlag
ISBN 978-3-44271-366-0
256 Seiten | 9,99 Euro
Bibliographische Angaben & Leseprobe

Weiterlesen: Andreas Rezensionen zu Bernhard Aichners Romanen Totenfrau und Totenhaus

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Ein Gedanke zu “Bernhard Aichner | Die Schöne und der Tod

  1. Eine aussagekräftige Rezension. Dieses Gefühl, ich kann das Buch durchaus aus der Hand legen, begleitete mich ebenso durch das Buch und auch ich werde nicht erneut zugreifen.

    Viele Grüße

    Nisnis

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